Allgemein

Verspätungsmanagement im Eisenbahnverkehr – stochastische Optimierung und Dispositionsstrategien im Vergleich

von Patricia Ebert (Gewinnerin des GOR Preises für Diplom- und Masterarbeiten 2026)

Verspätungen sind ein beständiger Teil des Eisenbahnverkehrs. Der teilweise marode Zustand der Anlagen, die Generalsanierungen von wichtigen Korridoren und die hohe Verkehrsdichte sorgten zuletzt dafür, dass nur 59 % der Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn pünktlich ankamen. Somit ist es essentiell, Methoden zu entwickeln, um die Ausbreitung von Verspätungen im Gesamtnetz zu verhindern und die Konsequenzen für Fahrgäste zu minimieren.

Disponent*innen können hierzu vielerlei Entscheidungen berücksichtigen. Relevant für Fahrgäste sind Warten-Abfahren-Entscheidungen, welche festlegen, ob Anschlusszüge auf verspätete Zubringerzüge warten. In Vorrangentscheidungen wird zudem entschieden, ob pünktliche Züge Vorrang vor verspäteten Zügen haben. Ziel des Verspätungsmanagements ist nun, einen Dispositionsfahrplan zu konstruieren, der die Fahrgastverspätung minimiert. Da die Folgen von Dispositionsentscheidungen zeitversetzt oder in anderen Teilen des Netzes zum Vorschein kommen können, stellt Verspätungsmanagement ein äußerst komplexes Problem dar, bei dem Optimierungsverfahren unterstützen können.

Um vorausschauende Entscheidungen zu treffen, untersuchen wir einen stochastischen Optimierungsansatz. In einer ersten kürzeren Phase nehmen wir an, dass die Verspätungen bekannt sind, sich anschließend jedoch in einer zweiten längeren Phase stochastisch verhalten. Somit erkennen wir an, dass sich Verspätungen ständig verändern und nicht als stabil angesehen werden können, nutzen jedoch auch Kenntnisse über mögliche Verspätungsverteilungen aus.

In einer Fallstudie für die Berliner S-Bahn vergleichen wir den stochastischen Optimierungsansatz mit einfachen Dispositionsstrategien, die häufig in der Praxis angewendet werden. Es wird deutlich, dass insbesondere die Strategie, bei der keine Anschlüsse sichergestellt werden, gut funktioniert. Wir zeigen zudem, dass stochastische Optimierung den Fahrplan um 1,7 % gegenüber einem deterministischen Ansatz verbessern kann und der Mehrwert von Disposition bei 2,7 % liegt.

Autorin
Patricia Ebert
Universität Leipzig
Fakultät für Mathematik und Informatik
patricia.ebert@uni-leipzig.de  

In Memoriam Prof. Hans-Jürgen Zimmermann (Veröffentlichung in den International Transactions in Operational Research)

Geldermann, J. and Werners, B. (2026), IFORS’ Operational Research Hall of Fame. International Transactions in Operational Research (ITOR) https://doi.org/10.1111/itor.70247

Im IFORS-Journal International Transactions in Operational Research (ITOR) ist ein persönlicher Nachruf auf Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Jürgen Zimmermann (1934–2026) erschienen. Verfasst wurde der Beitrag von Prof. Dr. Jutta Geldermann (derzeit GOR-Vorstandsvorsitzende) gemeinsam mit Prof. Dr. Brigitte Werners (ehemalige GOR-Vorsitzende und langjähriges GOR-Beiratsmitglied sowie Ehrenmitglied der GOR).
Der Artikel zeichnet das beeindruckende Lebenswerk eines der prägendsten Pioniere des Operations Research (OR) und der Fuzzy-Mengen-Theorie nach. Hans-Jürgen Zimmermann verstarb im Mai 2026 kurz nach seinem 92. Geburtstag. Er durfte jedoch noch miterleben, dass ihm im Rahmen seiner herausragenden internationalen Verdienste die Aufnahme in die IFORS Hall of Fame zuteilwurde.

Die Publikation beschreibt nicht nur seine wegweisenden wissenschaftlichen Beiträge an der Schnittstelle von OR und unsicheren Informationen, sondern auch sein unermüdliches institutionelles Wirken: Als langjähriger Inhaber des Lehrstuhls für Operations Research an der RWTH Aachen (1967–1999), Gründungsherausgeber des European Journal of Operational Research (EJOR), erster Präsident der EURO sowie als Gründer der INFORM GmbH hat er die Disziplin national wie international nachhaltig geprägt.

Verleihung der Young Researcher Awards 2026

Seit einigen Jahren verleiht die GOR während der Jahrestagung den Young Researchers Award. Ergänzend zum Masterarbeitspreis und dem Dissertationspreis soll diese Auszeichnung besondere Leistungen von Nachwuchsforschenden im Operations Research würdigen. Dieser Preis ist kein Best-Paper-Award und dennoch sollen Bewerbende ihre wissenschaftlichen Leistungen unter anderem mit einer Veröffentlichung in OR-Spectrum, in Mathematical Methods of Operations Research oder einem der vier EURO Journale vorlegen. Den Gewinnern winkt ein Preisgeld von 2.000 EUR. Darüber hinaus erhalten die Geehrten eine einjährige GOR-Mitgliedschaft sowie einen Zuschuss zu den Reisekosten für die Jahrestagung.

Im Auswahlgremium wirkten dieses Jahr Kathrin Klamroth, Karl-Heinz Küfer, Stefan Minner, Stefan Ruzika (Vorsitz) und Marie Schmidt mit. Die Jury hat in diesem Jahr zwei Wissenschaftler für die Ehrung nominiert:

  • Prof. Dr. Jarmo Haferkamp (Universität Bremen)
  • Dr. Thomas Schillinger (Universität Mannheim)

Die Preisträger wurden am 2. September 2026 bei der Eröffnung der GOR-Jahrestagung in Passau gewürdigt. In einer eigens für die Preise eingerichteten Session stellten sie anschließend ihre Arbeiten einem interessierten Fachpublikum vor.

Die GOR dankt dem Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM), das den Preis durch die Finanzierung der Preisgelder fördert und diese Unterstützung auch künftig zugesagt hat. Der Young Researchers Award wird 2027 bei der trinationalen Jahrestagung in Linz erneut vergeben. Die GOR ermutigt alle qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, sich zu bewerben.

Kaiserslautern, im September 2026                                                                          Stefan Ruzika

Die aktuelle „OR News“ 87 (Juli 2026)

Das Magazin „OR News“ informiert unsere Mitglieder mit unterschiedlichen Fachbeiträgen, Hinweisen auf aktuelle OR-Publikationen, Berichten von Arbeitsgruppensitzungen und weiteren interessanten Beiträgen regelmäßig über neue Entwicklungen im Operations Research und über die Aktivitäten der GOR.

Informationen zur aktuellen „OR News“ finden Sie hier.

Die aktuelle „OR News“ 86 (April 2026)

Das Magazin „OR News“ informiert unsere Mitglieder mit unterschiedlichen Fachbeiträgen, Hinweisen auf aktuelle OR-Publikationen, Berichten von Arbeitsgruppensitzungen und weiteren interessanten Beiträgen regelmäßig über neue Entwicklungen im Operations Research und über die Aktivitäten der GOR.

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