von PETER BRUCKER, OSNABRÜCK

Für den Diplomarbeitspreis der GOR wurden im Jahr 2003 neun Arbeiten aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Mathematik und Wirtschaftsinformatik eingereicht. Die Jury, bestehend aus Peter Brucker, Fachbereich Mathematik/Informatik der Universität Osnabrück, Kai-Oliver Schocke von der Degussa in Darmstadt und Armin Scholl, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller- Universität Jena, hat unter dem Vorsitz von Peter Brucker nach sorgfältiger Auswahl die drei folgenden Arbeiten prämiert. Hierbei wurde keine Reihung vorgenommen.

Foto_DiplPreis2003

Die Träger des Diplomarbeitspreises

Die erste Arbeit wurden von Herrn Steffen Bickel angefertigt und trägt den Titel »Optimierung von Sicherheitsbeständen in Supply Chains mit Simulation«. Sie wurde im Institut für Betriebswirtschaftslehre der Technischen Universität Darmstadt unter Leitung von Herrn Hartmut Stadler angefertigt.
Herr Bickel beschäftigt sich in seiner Diplomarbeit mit der Bestimmung von Sicherheitsbeständen in Supply Chains. Dabei entwickelt und untersucht er heuristische Verfahren zur mehrstufigen Bestimmung von Sicherheitsbeständen. Es handelt sich um hybride Verfahren, die eine stochastische Simulation auf geschickte Weise mit einem genetischen Algorithmus verbinden. Zur Untersuchung des (weiter-) entwickelten Ansatzes geht Herr Bickel davon aus, dass im Rahmen eines Advanced Planning Systems ein mittelfristiger Masterplan für die gesamte Supply Chain bereits vorliegt, der um die Festlegung von (möglichst kleinen) Sicherheitsbeständen derart zu erweitern ist, dass ein vorgegebener ß-Servicegrad gewährleistet werden kann. Damit liegt erstmals ein Konzept zur Planung von Sicherheitsbeständen bei begrenzten Kapazitäten und dynamischer Nachfrage vor. Untersucht wird sowohl der relativ einfache Fall, dass die Masterpläne starr, also nicht an tatsächliche Nachfrageentwicklungen anpassbar sind, als auch der komplexere, praxisrelevante Fall flexibler Masterpläne. Die von Herrn Bickel entwickelten heuristischen Verfahren ermöglichen neben der automatischen Bestimmung von Sicherheitsbeständen über die gesamte Supply Chain auch eine Anpassung der Produktionsmengen an Nachfrageschwankungen. Gegenüber einer rollierenden Planung anhand ganzzahliger Optimierungsmodelle ergibt sich eine deutliche Aufwandsreduktion.

Die zweite Arbeit stammt von Herrn Thomas Bruns und trägt den Titel »Steuerung von Investitions- und Absatzentscheidungen über Verrechnungspreise« und wurde unter Anleitung von Christian Hoffmann am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Hannover angefertigt. Das Bestimmen optimaler Verrechnungspreise beschäftigt die betriebswirtschaftliche Literatur seit mehr als 100 Jahren. Im Vordergrund aktueller Betrachtungen stehen Verrechnungspreise, die auf eine zweckmäßige Steuerung von delegierten Entscheidungen abzielen. Solche Entscheidungen sind charakteristisch sowohl für Funktions- wie für Geschäftsbereichsorganisationen und können dezentrale Absatzentscheidungen oder dezentrale Investitionsentscheidungen betreffen. Aufgabe der Diplomarbeit von Herrn Bruns war es, die Steuerung dieser beiden Entscheidungen über Verrechnungspreise darzustellen und Ansätze einer kombinierten Steuerung von Investitions- und Absatzentscheidungen über Verrechnungspreise zu untersuchen.
Herr Bruns entwickelt ein Modell zur Analyse der komplexen Steuerungswirkungen und präzisiert dieses für ein linear-quadratisches Szenario. Der Verfasser prüft eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle beispielsweise mit beschränkten und unbeschränkten Kapazitäten, Interdependenzen zwischen Marktpreisen und Verrechnungspreisen oder ein- und beidseitigen Investitionen. Herr Bruns zeigt, dass in Geschäftsbereichsorganisationen mit sporadischen Leistungsverflechtungen in der Regel verhandelte oder kostenbasierte Verrechnungspreise zum Einsatz kommen, während Funktionsbereichsorganisationen mit externem Markt für das Zwischenprodukt marktpreisbasierte Verrechnungspreise mit internen Preisnachlässen verwenden sollten.

Die dritte Arbeit wurde von Herrn Hans-Florian Geerdes angefertigt und trägt den Titel »Capacity Improvements in TDMA-based Cellular Networks by Relaying and Flexible Transmission Scheduling«. Sie wurde unter der Leitung von Martin Grötschel und Adam Wolisz am Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften der Technischen Universität Berlin angefertigt. Herr Geerdes beschäftigt sich mit einer technischen Frage aus der Mobilkommunikation. Es geht darum, wie man durch Relaying den Durchsatz von Mobilfunknetzen erhöhen kann. Diese Technik besteht darin, dass eine Mobilstation die zu versendende Nachricht nicht direkt an die zugeordnete Antenne schickt, sondern über eine oder mehrere Zwischenstationen leitet. Dies kann die Übertragungsleistung deshalb verbessern, weil bei größerem Abstand diese drastisch schlechter wird. Herr Geerdes löst das Problem mit Hilfe gemischt ganzzahliger linearer Optimierung. Hierzu überführt er zunächst eine Reihe komplexer technischer Sachverhalte in ein gemischt ganzzahliges Programm, das sich jedoch als unlösbar erweist. Er umgeht diese Schwierigkeiten, indem er mit großem Geschick eine andere Formulierung des Problems wählt. Auf diese Weise erhält er Lösungen, die zeigen, dass man je nach Szenario zwischen 10% und 30% Durchsatzerhöhung erreichen kann. Herr Geerdes hat in seiner Arbeit in vorbildhafter Weise gezeigt, wie sich in der Technik OR-Methoden einsetzen lassen. Hierbei hat er wirklich Neuland betreten.